erinnerungskultur
Bronzene Nachbildung der ehemaligen Synagoge in der Amalienstraße enthüllt
Erinnerungen brauchen Orte und sie brauchen sichtbare Zeichen, um Vergangenes nicht verblassen zu lassen. Wo Erinnerungen im Stadtbild ihren Platz finden, entsteht zugleich Verantwortung für die Gegenwart und die Zukunft. Genau ein solcher Ort ist am Donnerstag, 11. Juni, in der Amalienstraße in Bebra entstanden. Dort, wo einst die Synagoge der jüdischen Gemeinde stand, wurde eine originalgetreue Nachbildung des Gotteshauses aus Bronze enthüllt. Gleichzeitig wurde eine kleine Ausstellung zur Geschichte der Synagoge in Bebra präsentiert. Musikalisch begleitet wurde die Feierstunde von Elisabeth Flämig am Saxophon.
Durch das Programm führte Uli Rathmann vom Fachdienst Generationen der Stadt Bebra. Er begrüßte zahlreiche Ehrengäste, darunter Bürgermeister Stefan Knoche, Pfarrer Christoph Brunhorn von der evangelischen Kirchengemeinde, den Vorbeter der Jüdischen Gemeinde Fulda Roman Melamed sowie den Zeithistoriker Heinrich Nuhn, der sich seit Jahrzehnten mit großem Engagement für die Erinnerung an die jüdische Geschichte im Landkreis Hersfeld-Rotenburg einsetzt.
In seiner Ansprache bezeichnete Bürgermeister Stefan Knoche die bronzene Nachbildung als ein Zeichen der Erinnerung. „Wir sind heute hier, um uns unserer Geschichte zu stellen. Erinnerungskultur bedeutet nicht, in der Vergangenheit zu leben, sondern Verantwortung für Gegenwart und Zukunft zu übernehmen.“ Mit dem Bronzemodell werde die Geschichte der ehemaligen Synagoge wieder in das Bewusstsein der Menschen gerückt und dauerhaft im Stadtbild verankert. Knoche erinnerte an die Vertreibung und Ermordung jüdischer Familien, die Bebra einst ihre Heimat nannten und über Generationen selbstverständlich zur Stadt gehörten.
Auch Pfarrer Christoph Brunhorn unterstrich in seiner Rede die Bedeutung des Erinnerungsortes: „Die Nachbildung der Synagoge mahnt und erinnert uns daran, dass wir Menschen einander zu respektieren und zu beschützen haben.“ Rabbiner Roman Melamed erklärte, dass eine Synagoge ein spirituelles Zentrum, ein Haus des Gebets, ist und im Judentum als „kleines Heiligtum“ gilt. Seine Gebete sprach er zunächst auf Hebräisch und anschließend in deutscher Übersetzung. Passend dazu trägt auch der Sandsteinsockel der Bronzenachbildung jene hebräische Inschrift, die bereits die historische Synagoge zierte.
Einen abschließenden Beitrag leisteten Schülerinnen der Brüder-Grimm-Gesamtschule Bebra. Sie gaben Einblicke in das Leben jüdischer Familien, die über Generationen in Bebra lebten und arbeiteten. Dabei machten sie deutlich, wie selbstverständlich jüdisches Leben einst zum Alltag der Stadt gehörte. Im Anschluss an die Feierstunde nutzten die Gäste die Gelegenheit, die Bronzenachbildung aus nächster Nähe zu betrachten und die begleitende Ausstellung zur Geschichte der Synagoge zu besichtigen.
Der Nachbau aus Holz wurde im Rahmen des LEADER-Regionalbudgets gefördert, während die auf diesem Modell basierende Bronzenachbildung überwiegend aus Mitteln einer Erbschaft finanziert wurde, die ausschließlich für kulturelle Zwecke vorgesehen ist. Ein Anteil stammt zudem aus Mitteln des Förderprogramms „Sozialer Zusammenhalt“ der Stadt Bebra.
Zum Abschluss dankte Uli Rathmann im Namen der Arbeitsgemeinschaft „Jüdisches Leben“ allen Beteiligten, die zur Verwirklichung des Erinnerungsprojekts beigetragen haben. Das Bronzemodell erinnert künftig dauerhaft daran, dass jüdisches Leben über viele Generationen ein selbstverständlicher Teil Bebras war und dass Erinnerung ihren festen Platz im Stadtbild behalten muss.
