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Wo Bebra Gestalt annimmt
Eine Stadt verändert sich nicht mit einem einzigen Beschluss. Sie verändert sich Grundstück für Grundstück, Plan für Plan und manchmal auch gegen den ersten Widerstand. Bevor ein Gebäude verschwindet, muss über seinen Erwerb verhandelt werden. Bevor eine neue Straße entsteht, müssen Flächen geordnet und Kosten berechnet werden. Und bevor ein Investor bauen darf, braucht seine Idee einen Platz im Gefüge der Stadt.
Wer heute durch die Bebraer Innenstadt geht, bewegt sich deshalb auch durch die Arbeit eines Amtes, das oft im Hintergrund bleibt. Das Bau- und Planungsamt hat viele jener Veränderungen begleitet, die das Zentrum in den vergangenen Jahren grundlegend neu geordnet haben. Wo einst andere Gebäude, Grundstücksgrenzen und Straßenverläufe das Bild bestimmten, befinden sich heute unter anderem das Einkaufszentrum „das be!“ und ein Innenstadtquartier mit einer völlig veränderten Struktur.
Im Jahr 2001 begann die Stadtsanierung. Mit dem Rahmenplan von 2008 wurde anschließend festgelegt, welche Bereiche verändert und welche Vorhaben weiterverfolgt werden sollten. Ab 2012 wurden die Überlegungen zunehmend sichtbar. Grundstücke mussten erworben, Gebäude abgebrochen, Flächen neu geordnet und Baurecht geschaffen werden.
Das Jahr 2013 wurde schließlich zu einer entscheidenden Phase des Innenstadtumbaus. Rund um die Bismarckstraße, die Apothekenstraße, die Bahnhofstraße und die Nürnberger Straße griffen zahlreiche Maßnahmen ineinander. „das be!“ entstand dabei nicht allein als einzelnes Bauvorhaben auf einer bis dato belegten Fläche. Ihm gingen Verhandlungen und Planungen voraus, die sich über Jahre erstreckten. Auch Straßen wurden neu angelegt oder anders geführt. Aus vielen Grundstücken und unterschiedlichen Interessen musste ein zusammenhängendes Stadtquartier werden.
Das Bau und Planungsamt hat sich während dieser langen Entwicklung ebenso verändert. Die Arbeit früherer und heutiger Beschäftigter des Bau- und Planungsamtes verbindet jedoch ein gemeinsamer Auftrag: Sie schaffen die Voraussetzungen dafür, dass aus politischen Entscheidungen, planerischen Vorstellungen und geplanter Vorhaben ein funktionierendes Stück Stadt werden kann.
Stadtentwicklung gelingt nur, wenn Planung, Grundstücksfragen, Hochbau, Tiefbau und Verwaltung ineinandergreifen. Jeder Bereich betrachtet ein Vorhaben aus einer anderen Perspektive. Erst zusammen entsteht daraus ein Ergebnis, das später im Stadtbild sichtbar wird.
Die Planung beginnt lange vor dem Bau
Den rechtlichen und planerischen Rahmen schaffen die Stadt- und Regionalentwicklung, die Bauleitplanung sowie die Bearbeitung von Baugenehmigungsverfahren. Hier geht es um die Frage, wie sich ein Vorhaben in seine Umgebung einfügt und welche öffentlichen Belange berücksichtigt werden müssen. Wie umfassend diese Arbeit sein kann, zeigt das Areal des heutigen Einkaufszentrums „das be!“. Für dessen Entwicklung genügte es nicht, lediglich eine geeignete Fläche auszuweisen. Unterschiedlich genutzte Grundstücke mussten zu einem zusammenhängenden Standort entwickelt werden. Gleichzeitig galt es, die Größe und Nutzung des Vorhabens mit den umliegenden Gebäuden, den Interessen der Nachbarschaft und den Zielen für die Innenstadt in Einklang zu bringen. Die Bauleitplanung übersetzt die Ziele der Stadtentwicklung in verbindliche Grundlagen. Im Rahmen der Genehmigungsverfahren wird anschließend geprüft, ob konkrete Vorhaben mit diesen Grundlagen und den geltenden Vorschriften übereinstimmen. Hier entscheidet sich, ob aus einer Idee tatsächlich ein umsetzbares Projekt werden kann.
Wie soll Bebra morgen aussehen?
Jens Meister und A. Rehn sind mit der Stadtplanung sowie der Bauleitplanung vertraut. Ihre Arbeit beginnt damit vor dem eigentlichen Bau. Wie bedeutsam diese Aufgaben für die Entwicklung einer Stadt sind, lässt sich am Umbau der Bebraer Innenstadt ablesen. Damit auf einem bestehenden Areal neue Gebäude entstehen können, müssen zunächst die planerischen Voraussetzungen geschaffen werden. Dabei ist unter anderem zu klären, welche Nutzungen an einem Standort möglich sind und wie sich ein Vorhaben in das Umfeld einfügt.
Am Areal zwischen Bismarckstraße, Apothekenstraße und Nürnberger Straße wird dieses Zusammenspiel besonders deutlich. Die Entwicklung des Einkaufszentrums „das be!“ erforderte mehr als eine Idee. Das gesamte Gebiet musste städtebaulich neu geordnet und mit der bestehenden Innenstadt verbunden werden. Zu den Aufgaben von Jens Meister und A. Rehn gehören die baurechtliche Begleitung von Planungen, die genehmigungsrechtliche Beratung städtischer sowie privater Bauvorhaben. Damit arbeiten sie an Projekten, deren Wirkung häufig weit über das einzelne Grundstück hinausreicht.
Markus Knobl, Iris Goldbach, Alexander Thiel und Meike Engel-Nölke begleiten verwaltungsrechtlichen Abläufe der Stadtsanierung wie Grundstücksankäufe, Koordination der Umlegung sowie Anpassungen im Liegenschaftskataster. Sie bearbeiten planungsbezogene Angelegenheiten und koordinieren Verfahren. Weiter begleiten sie städtische Förderungen von Baumaßnahmen im Stadtsanierungsgebiet sowie im Bereich der Dorfentwicklung.
Neue Wege durch die Innenstadt
Sobald Planungen den Schreibtisch verlassen und im Straßenraum sichtbar werden, ist der Tiefbau gefragt. Mit den technischen und verwaltungsbezogenen Aufgaben dieses Bereichs befassen sich Stefan Reinhardt, Dirk Schleicher und Silke Küster.
Beim Umbau eines gewachsenen Innenstadtquartiers müssen neue Straßen und Wege an das vorhandene Netz angeschlossen werden. Zufahrten, Oberflächen, Höhen und Grundstücksgrenzen müssen zusammenpassen. Hinzu kommen Abstimmungen mit Versorgungsträgern, beteiligten Firmen und weiteren Behörden. Der Tiefbau begleitet damit einen Teil der Stadtentwicklung, den später jeder nutzt, aber kaum jemand noch als planerische Leistung wahrnimmt. Auch die neue Ordnung der Straßen rund um das Innenstadtquartier war weitaus mehr als eine gestalterische Veränderung. Verkehrsbeziehungen müssen neu gedacht und bestehende Strukturen an die künftige Nutzung des Areals angepasst werden. Erst wenn solche Verbindungen funktionieren, wird aus einer Idee ein erreichbarer und nutzbarer Teil der Innenstadt.
Gebäude brauchen technische Begleitung
Der Bereich Hochbau wird von Dorota Patzwa und Hilmar König betreut. Ihre Aufgaben liegen vor allem dort, wo Gebäude verändert oder technische Fragen an Immobilien geklärt werden müssen.
Der Hochbau betrachtet ein Projekt aus der Perspektive des Gebäudes. Dazu gehören unter anderem die Vorbereitung und Begleitung kommunaler Baumaßnahmen, die Abstimmung mit Planungsbüros und Fachfirmen sowie die Kontrolle von Kosten und Ausführung. Zu den Projekten, die Dorota Patzwa und Hilmar König begleitet haben, zählen Projekte wie der Eingangsbereich des Bahnhofes und am Busbahnhof Bebra, hier vornehmlich das sogenannte Servicegebäude mit Fahrkartenverkauf samt Vordächer. Auch für die baulichen Aufgaben rund um das Inselgebäude am Bahnhof ist der Fachbereich zuständig. Bei größeren städtebaulichen Entwicklungen ist eine enge Abstimmung mit den übrigen Bereichen erforderlich. Denn ein Gebäude steht nie für sich allein. Es benötigt eine gesicherte Erschließung und eine planungsrechtliche Grundlage. Die beiden setzen damit einen Aufgabenbereich fort, der sich parallel zu den baulichen Anforderungen der Stadt immer wieder gewandelt hat.
Das große Ganze im Blick
An der Spitze des Bau- und Planungsamtes steht Patrick Schuster. Bei ihm laufen die unterschiedlichen Arbeitsstränge zusammen. Seine Aufgabe besteht nicht nur darin, alle Verwaltungsabläufe zu koordinieren. Er führt Grundstücksverhandlungen, begleitet Gespräche mit Investoren und wirkt an der Umsetzung größerer städtischer Vorhaben mit. Fördermittel sind dabei häufig eine wesentliche Voraussetzung. Programme müssen gefunden und Anträge vorbereitet werden. Gleichzeitig gilt es, politische Beschlüsse fachlich vorzubereiten, Kosten und Zeitpläne im Blick zu behalten und zwischen den Interessen von Eigentümern, Investoren, Behörden und Stadtpolitik zu vermitteln.
Die Leitung eines solchen Amtes bedeutet, zwischen sehr unterschiedlichen Welten zu übersetzen. Aus politischen Zielen müssen umsetzbare Projekte werden. Aus den Vorstellungen eines Investors muss ein Vorhaben entstehen, das zur Stadt passt. Aus vielen fachlichen Einzelentscheidungen muss am Ende ein Ergebnis hervorgehen, das im Alltag funktioniert.
Der Umbau der Innenstadt zeigt, wie lang der Weg von einem Beschluss bis zu einem fertigen Quartier sein kann. Zwischen dem Beginn der Stadtsanierung mit der Vision im Jahr 2001 und den besonders sichtbaren Veränderungen lagen Jahre der Vorbereitung. Die intensive Umgestaltung um das Jahr 2013 war jener Teil, den die Öffentlichkeit unmittelbar erleben konnte.
Heute erzählen Gebäude und Straßen von diesem Wandel. Hinter ihnen stehen jedoch Akten, Entwürfe, Verhandlungen, Berechnungen und Entscheidungen aus unterschiedlichen Jahren und von zahlreichen Beteiligten. Das Bau- und Planungsamt arbeitet dort, wo zunächst Gespräche geführt und Pläne geschmiedet werden, bis Veränderungen später für alle sichtbar werden.
Unser Bau- und Planungsamt
Bebras Kernstadt im Wandel
